Erhalt des Schlossplatztheaters und der Alten Möbelfabrik

Ausschuss für Weiterbildung und Kultur

Der Ausschuss für Weiterbildung und Kultur der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick von Berlin fordert Senat und Abgeordnetenhaus von Berlin auf, die geplante Streichung der Basisförderung für das Schlossplatztheater in Köpenick zurückzunehmen, die auch den Fortbestand der Alten Möbelfabrik in Frage stellt.

Die Entscheidung der Jury, das Schlossplatztheater ab 2026 nicht weiter zu fördern, ist aus kulturpolitischer Sicht in keiner Weise nachvollziehbar. Die Versagung einer Fortsetzung der bisherigen Förderung erfolgt ohne Begründung und trifft ein Theater, das den Bezirk mit hoher Qualität und künstlerischer Innovationskraft geprägt und bereichert hat. Ob es sich allein um eine haushalterische Sparmaßnahme handelt oder nicht— sie geht auf Kosten einer herausragenden und lebendigen Kulturarbeit in einem Außenbezirk.

Treptow-Köpenick ist ein Außenbezirk mit 300.000 Einwohnern und als solcher profitiert er bislang nur eingeschränkt von der Hochkulturförderung des Landes Berlin. Umso schwerer wiegt dieser Einschnitt, sollte er vollzogen werden. Das Schlossplatztheater ist weit mehr als eine Bühne: Es ist einer dieser in Sonntagsreden vielbeschworenen Orte kultureller Bildung, sozialer Teilhabe und der Persönlichkeitsentwicklung — insbesondere für Kinder und Jugendliche. Hier wird ihnen nicht nur Theater nahegebracht, sondern sie erhalten die Möglichkeit, selbst auf hohem Niveau künstlerische Ausdrucksformen zu erlernen und anzuwenden — jenseits klassischer Schultheaterformate. Das Schlossplatztheater bietet jungen Menschen in Köpenick einen demokratischen Erfahrungsraum, in dem sie aktuelle Themen verhandeln und künstlerisch übersetzen lernen. Sie erwerben Kompetenzen im szenischen Erzählen, werden dabei in ihrer Jugend als kreative Subjekte ernst genommen und in ihrer Persönlichkeitsbildung gefördert.

Hinzu kommt: Das Schlossplatztheater und die Alte Möbelfabrik sind Orte, die aus bürgerschaftlich-demokratischem Engagement vor dreieinhalb Jahrzehnten entstanden sind.
Nach dem Fall der Mauer wurden leerstehende Räume mit Leben gefüllt— künstlerisch und gesellschaftlich. Es geht bei der Zukunft des Schlossplatztheaters und der Alten Möbelfabrik nicht allein um Kultur- und Jugendförderung. Es geht auch um die Anerkennung einer Aufbauleistung, die bis heute Identität stiftet und die kulturelle Szene des Bezirks Treptow-Köpenick nachhaltig prägt.

Wir fordern daher: Die Entscheidung muss zurückgenommen werden! Kultur darf doch nicht ausgerechnet dort gestrichen werden, wo sie besonders viel bewirkt!
Ermöglichen Sie durch die Rücknahme Ihrer Entscheidung, dass die Feierlichkeiten zum 35. Geburtstag der Alten Möbelfabrik und zum 30. Geburtstag des Schlossplatztheaters nicht zu einer Trauerfeier werden. Ermöglichen Sie, dass auch künftig Kinder und Jugendliche an beiden Orten künstlerisch aktiv sein können.

Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick

Ausschuss für Weiterbildung und Kultur

Irina Vogt, Ausschussvorsitzende

 

23. Juli 2025