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Aus dem Rathaus

Online-Petitionen gegen Abholzung

Hier hat sich die Natur das Baugebiet zurückerobert. Nun soll hier doch gebaut werden. Foto: Bernhard Brügger

Baustadtrat sieht wenig Erfolgsaussichten – Bebauungsplan rechtskräftig

Noch hört man auf der Grünfläche zwischen Salierstraße und Wegedornstraße den Specht hämmern. Doch in Kürze sollen hier Motorsägen den Ton angeben. Denn das ehemalige DDR-Fernsehgelände gehört inzwischen einem Privatinvestor und der möchte hier lukrative Eigenheime errichten.

In den vergangenen 30 Jahren hatte sich die Natur das Gebiet zurückerobert: Es entstand ein kleiner Wald, 26 Vogelarten und viele Säugetiere siedelten sich an. Selbst wenn keine der Arten als gefährdet gilt, so ist durch Nabu-Erhebungen bekannt, dass in Berlin alle Vogel- und Insektenpopulationen durch Lebensraumverlust im Bestand dezimiert wurden. Dass der wirksamste Klimaschutz von CO2-aufnehmenden Wäldern kommt, ist auch kein Geheimnis. In diesem Sommer belastete zudem der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Umland. Durch die Beseitigung von Grünflächen mit einher gehender Bebauung heizen sich die Großstädte zunehmend auf.

Diese Sachverhalte sind natürlich auch der Bürgerinitiative bekannt, die mit der Online-Petition „Rettet unser Wäldchen“ unter gleft.de/3hk den Bau von 126 Einzel- und Doppelhäusern verhindern will. „Der Bebauungsplan ist seit 2018 rechtskräftig und die Rechtsgrundlage für die Beurteilung von ­Bauanträgen“, sagt Bezirksbaustadtrat ­Rainer Hölmer. „Ich sehe somit kaum Erfolgsaussichten.“ Es sei ein Fachgutachten Umweltprüfung mit integrierter Eingriffsregelung und faunistischer Einschätzung erstellt worden. Zur Schaffung von Erholungsflächen sowie als Eingriffsvermeidungsmaßnahme wurde laut Hölmer die Festsetzung des Bir­ken­wäld­chens als Waldfläche im Be­bau­ungs­plan verfolgt. Ausgleichsmaßnahmen seien festgesetzt und Straßenbaumpflanzungen vertraglich ver­einbart worden. „Mit dem Birkenwäldchen und dem Gehölzstreifen östlich davon bleiben die wesentlichen altbaumgeprägten Gehölzstrukturen erhalten“, so Hölmer. „Somit auch die Fortpflanzungsstätten für höhlenbewohnende Vogelarten.“ Man gehe davon aus, dass sich unter den nachgewiesenen Brutvögeln keine Arten befinden, die nach den Roten Listen Berlins oder Deutschlands als gefährdet gelten. Streng geschützte Arten nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wurden ebenfalls nicht festgestellt.

Selbst wenn die Erfolgsaussichten gering sind: „Unsere Unterschriftenlisten werden wir dennoch beim Bezirk einreichen“, so eine Mitinitiatorin der Online-Petition. Dass die Gutachten alles berücksichtigen würden, stimme nach Recherchen der Bürgerinitiative nur bedingt. Gerade bei nachgewiesenen ­Fledermausvorkommen sei nicht aus­reichend auf Nistplätze untersucht worden. Im Gegenteil: Es sei angeraten worden, diese Passage aus dem Gutachten zu streichen, kritisiert die Initiative, die schon mehr als 2.100 Unterschriften sammeln konnte.

Auf über 2.700 Unterstützer kommt die Online-Petition einer Bürgerinitiative, die sich dem Kahlschlag an der Hermann-Dorner-Allee in Adlershof entgegenstellt. Hier sollen 13.000 Quadratmeter Kiefernwald mit 700 Bäumen gefällt werden. 450 Wohnungen und 120 Mikrowohnungen sind geplant. Baurecht werde vor Baumschutz gestellt, kritisiert die Initiative. Zudem könne mit einer Kompensationsabgabe von 71 Euro pro Baum kein adäquater Ersatz erfolgen. Wie empfindlich Neuanpflanzungen sind, zeigt der Landschaftspark Johannisthal, wo bis 2018 aufgrund der Dürre mehr als 500 Bäume verloren gingen. In Adlershof sollen nunmehr gesunde Bäume der Säge zum Opfer fallen. Im Internet kann über die Seite www.kiefernwald-adlershof.de gegen das Projekt votiert werden.

Bernhard Brügge


Wichtige Informationen zum Bebauungsplan:

  1. B­-Planung hat als Grundlage den Flächennutzungsplan (FNP), der auf Landesebene beschlossen wird. Dieser FNP sieht an dieser Stelle „Wohnen“ vor.
  2. B­-Planverfahren läuft seit 1998, ursprünglich war hier eine Schule vorgesehen. Im Jahre 2000 wurde die Notwendigkeit einer Schule nicht mehr gesehen. Deshalb Planungen für Wohnungsbau.
  3. Im November 2016 öffentliche Auslegung des B­Planentwurfes. Ganze drei Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürger.
  4. Der B­-Plan wurde 2018 beschlossen und ist damit rechtsverbindlich.
  5. Der B-­Plan sieht den Bau von Ein­- und Zweifamilienhäusern vor und passt sich somit der Wohnumgebung an.
  6. Das Birkenwäldchen ist als Parkanlagen gewidmet und somit geschützt.
  7. Für andere Flächen, die bebaut werden und auf denen bisher Bäume standen, werden innerhalb des B­-Plangebietes Ausgleichsmaßnahmen und ­-flächen geschaffen. Dabei sollen aber schützenswerte Bäume gem. Baumschutzverordnung erhalten und gepflegt werden. Schutzmaßnahmen sind auch für geschützte Tierarten vorgesehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Aus dem Rathaus vom 07.11.2019

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