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Aus dem Rathaus

Uns allen zur Mahnung

Foto: VVN-BdA Köpenick e. V.

Gedanken zum Jahrestag der Köpenicker Blutwoche

Schock und Aufregung erfassten im kalten Winter 1933 auch Friedrichshagen. Noch am Abend des 27. Februar erreichte die Nachricht vom Reichstagsbrand unseren idyllischen Ortsteil. Der Mordaufruf Hitlers aus dieser Nacht kann als Freibrief für die nachfolgenden blutigen Orgien der Gewalt angesehen werden, die als Köpenicker Blutwoche in die Geschichte eingingen: „Es gibt jetzt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben. Jeder kommunistische Funktionär wird erschossen, wo er angetroffen wird. Die kommunistischen Abgeordneten müssen noch in dieser Nacht aufgehängt werden. Alles ist festzusetzen, was mit den Kommunisten in Verbindung steht. Auch gegen Sozialdemokraten und Reichsbanner gibt es jetzt keine Schonung mehr.“

Augenzeugen berichteten von Massenverhaftungen durch die Hilfspolizei und abscheulichen Folterungen am 2., 3. und 4. März. Als ein Haupttatort der Märzaktion wurde Friedrichshagen benannt.

Diese schrecklichen Folterungen erfuhren im Juni 1933 noch eine blutige Steigerung. Stabsmäßig vorbereitet begannen die SA-Stürme aus Köpenick und der bereits einschlägig bekannte „Mördersturm 33“ aus Charlottenburg am 21. Juni 1933, mit Verhaftungen, Folterungen und der Ermordung von Antifaschisten in Köpenick.

Einer der Ermordeten war der Fleischer Karl Pokern. Seine Leiche wurde am 1. Juli in einem Sack bei Grünau aus dem Wasser gezogen. „Nach Aussagen von Leuten, die die Leiche zuerst sahen, waren P. die Augen ausgestochen. Kopf und Körper waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt“. In Friedrichshagen, erinnern seit 1947 Straßen an sie: an Richard Aßmann, 57 Jahre, SPD, an Karl Pokern, 38 Jahre, Rot-Front-Kämpferbund. 87 Jahren nach diesen furchtbaren Bluttaten gedenken wir in Ehrfurcht der Opfer von damals. Dafür gibt es leider immer noch viele Gründe. Die Morde durch den faschistischen NSU oder Äußerungen von AFD- Funktionären. So schrieb der ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Holger Arppe: „Erstmal das ganze rotgrüne Geschmeiß aufs Schafott schicken. Und dann das Fallbeil hoch und runter, dass die Schwarte kracht, Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben drauf.“ Wir werden keine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ zulassen. Vielmehr rufen wir uns die letzten Worte von Julius Fucík in Erinnerung, die er uns kurz vor seiner Ermordung durch die Nazis hinterließ: „Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!“

Lutz Putzger


Dieser Artikel erschien zuerst in Aus dem Rathaus vom 04.06.2020

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