Amtlichen Widerständen zum Trotz - Gelder für Familien- und Jugendprojekte gesichert

Aus dem Rathaus

Wie die BVV dem CDU-Jugendstadtrat und dem Bezirksamt auf die Füße treten musste, damit Jugendsozialarbeit und Familienförderung nicht gekürzt werden

Mit Händen und Füßen hatten sich Jugendamt und CDU-Jugendstadtrat Grammelsdorff bis zuletzt gegen Lösungen für das knappe Budget im Jugendbereich ab 2026 gewehrt. Seit Ende 2025 hatten der Jugendhilfeausschuss, Bezirksverordnete und die Projekte selbst wiederholt Vorschläge gemacht, wie die vom Jugendamt vorgesehenen Kürzungen von bis zu sechs Prozent bei Jugendsozialarbeit und Familienförderung verhindert werden könnten. Doch Umverteilung, Prioritätensetzungen oder alternative Finanzierungsmöglichkeiten wurden vom Amt stets für unmöglich erklärt. Eigene Vorschläge lieferte das Jugendamt trotz wiederholter Nachfragen nicht.

Stattdessen griff das Amt sogar einen Beschluss des Jugendhilfeausschusses juristisch an, der eine alternative Finanzierung vorsah. Schließlich lehnte der Ausschuss die Kürzungsvorlage des Amtes ab und zwang damit das Jugendamt, die Gelder weiterhin wie bisher auszuschütten – ein Schritt, der in den Amtsstuben für Hektik sorgte.

Ende März schließlich stellte Jugendstadtrat Grammelsdorff einen Antrag auf Mehrbedarf bei Bezirksbürgermeister und Finanzstadtrat Oliver Igel (SPD), nachdem die Forderung nach einer Lösung im Ausschuss und zunehmend auch auf der Straße und über Social-Media-Kanäle immer lauter geworden war. Etwa zur Hälfte aus dem eigenen Jugendbudget und aus anderen Mitteln des Bezirksamtes wird nun Geld bereitgestellt, das die drohenden Kürzungen abwendet. Insgesamt 121.000 Euro sollen das Schlimmste verhindern.

Zum Vergleich: Im Dezember hatte das Jugendamt noch einen Bedarf von über zwei Millionen Euro angemeldet. Warum trotz der zusätzlichen 145.000 Euro zum bisherigen Budget, welche die Kooperation von SPD, Linke und Grüne bereits damals für 2026 und 2027 bereitgestellt hatten, weiterhin so große Summen fehlten, konnte das Amt nie nachvollziehbar erklären. „Wie passiert das? Wo ist das Geld gelandet? Was haben Sie mit dem Geld gemacht, Herr Grammelsdorff? Verraten Sie es uns bitte“, fragte Philipp Wohlfeil, Fraktionsvorsitzender der Linken, in der März-BVV. Die Antwort des Jugendstadtrats fiel ausweichend und flapsig aus: „Ich habe in meinen Taschen geguckt, da ist es nicht.“

In der Begründung des ehemaligen Schulleiters, warum er den Antrag auf Mehrbedarf lange abgelehnt hatte, klang indes durch, dass Grammelsdorff offenbar die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen weniger wichtig seien: „Ich habe selber lange Jahre in der Wirtschaft gearbeitet, weiß, wie das ist, wenn man arbeitet, Steuern zahlt und dann hört, dass ein Haushaltsplan ständig überzogen wird. Und das ist genau das, was die Menschen da draußen wütend macht.“

Dass die eigentliche Wut der Bevölkerung eher der Tatsache gilt, dass Kürzungen ständig auf den Schultern der Schwächsten – Familien, Kindern und Jugendlichen – ausgetragen werden, scheint Grammelsdorff indes nicht in den Sinn zu kommen.


Dieser Artikel stammt aus dem “Aus dem Rathaus” vom April 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

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