„Diese Kürzungen treffen Kinder, Jugendliche und Familien hart“
Gespräch über Folgen der Fördermittel-Streichungen
Diverse Projekte der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit sowie Angebote für Familien im Bezirk kämpfen angesichts weiterer drohender Kürzungen aktuell um ihre Zukunft. Ein Interview mit Karin Kant, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der BVV Treptow-Köpenick.
Seit Monaten wird über Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Familienförderung gesprochen. Worum geht es dabei genau?
Es geht um die Existenz vielfältiger Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien im Bezirk. Die Finanzierung reichte schon 2025 nicht aus. Steigende Kosten wurden nicht vollständig ausgeglichen. Viele Projekte mussten bereits ihre Sach- und Honorarmittel streichen, um die laufenden Angebote zu erhalten und ihre Mitarbeitenden weiterhin fair bezahlen zu können.
Kannst du das an einem Beispiel erklären?
In der Köllnischen Vorstadt, einem Gebiet mit großem Unterstützungsbedarf, gibt es das Projekt der Jugendsozialarbeit mit nur einer Personalstelle. Für Materialien oder zusätzliche Angebote ist kein Geld mehr da. Um das Projekt ins Jahr 2026 zu retten, musste nun die Arbeitszeit gekürzt werden. Das bedeutet weniger Hilfe und Begleitung für junge Menschen, die sie dringend brauchen. Die nun geplante Kürzung um 6% bedroht dieses so notwendige Angebot akut!
Nun drohen weitere Kürzungen. Was hätte das für Folgen?
Viele Projekte, so wie das benannte, könnten ihre Angebote nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr aufrechterhalten. Schließungen wären die Folge. Das heißt: weniger Angebote, weniger sichere Orte und weniger Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Langfristig entsteht eine Abwärtsspirale, die die gesamte Kinder- und Jugendarbeit gefährdet.
Warum ist die Lage aus deiner Sicht besonders alarmierend?
Weil hier Strukturen, die unter Rot-Rot-Grün in Berlin über viele Jahre aufgebaut wurden, nun unter CDU-Regierung und CDU-Stadtrat zerstört werden, denn die Freien Träger leisten unverzichtbare Arbeit für Kinder, Jugendliche und Familien. Trotz eines geltenden Jugendfördergesetzes werden Mittel gekürzt. Das ist ein Rückschritt und trifft ausgerechnet die, die Räume, Offenheit und unsere Unterstützung am dringendsten brauchen.
Was forderst du jetzt?
Wertschätzung und eine auskömmliche Finanzierung der Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien. Wer heute kürzt, zahlt morgen einen hohen Preis – gesellschaftlich und menschlich.
Bis heute fehlt eine klare Antwort des Jugendstadtrats Grammelsdorf (CDU), warum Gelder für die Kinder- und Jugendarbeit nicht dort angekommen sind. 135.000 Euro hatten SPD, Die Linke und Grüne für 2026 zusätzlich in den Jugendbereich geschoben. Statt Aufklärung gibt es Ausflüchte. Wurden Mittel aus der Jugendarbeit genutzt, um andere Lücken im Jugendhaushalt zu schließen? Wären sie in den Titeln geblieben, gäbe es keine Kürzungen. Entweder hat der Senat nicht ausreichend Geld zur Verfügung gestellt oder ein überforderter Jugendstadtrat hat die Gelder nicht richtig verwendet.
Dieser Artikel stammt aus dem Aus dem Rathaus vom Februar 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

