Haltung hat einen Preis Treptow-Köpenick sichert Zukunft des VVN-BdA
In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Treptow-Köpenick ging es im März um mehr als nur um Quadratmeter und Mietverträge. Es ging um das demokratische Selbstverständnis des Bezirks. Trotz scharfer Attacken der AfD und Ablehnung durch die CDU und FDP Fraktionen, stimmte eine knappe Mehrheit von SPD, Linken und Grünen für die finanzielle Entlastung des Bundes der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).
Es ist ein klares Signal gegen den Rechtsruck und für eine lebendige Erinnerungskultur: Die Fraktionen der SPD, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen brachten einen gemeinsamen Antrag ein, um die Räumlichkeiten des VVN-BdA im Bezirk langfristig zu sichern. Kern des Beschlusses ist die Beibehaltung einer reduzierten Miete für die Räume im Rathaus Treptow, da der Verein die ortsüblichen Marktpreise schlicht nicht stemmen könnte.
Besonders emotional wurde die Debatte, als Philipp Wohlfeil (Die Linke) das Wort ergriff. Er reagierte damit direkt auf Vorwürfe der AfD, die dem Verein und seinen Unterstützern mangelndes Demokratieverständnis unterstellt hatte. Wohlfeil fand dafür deutliche Worte:
„Es zeigt sich immer wieder, dass die AfD Meinungsfreiheit nur so lange anführt, wie sie nicht akzeptiert, dass dazu auch Widerspruch gehört.“
Wohlfeil warf den Rechten vor, in einer „völlig eigenen Welt“ zu leben und wies Vorwürfe des Antizionismus gegen seine Fraktion als haltlos zurück. Wer die Arbeit des VVN-BdA in den letzten zehn Jahren verfolgt habe, müsse wissen, dass dieser Verein ein unverzichtbarer Pfeiler der zivilgesellschaftlichen Aufarbeitung des Nationalsozialismus sei. Die Begründung des Antrags ist zugleich ein Plädoyer für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der VVN-BdA leiste kontinuierliche Arbeit zur Förderung demokratischer Werte und zur Stärkung des Engagements gegen rechtsextreme Tendenzen. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sei diese Arbeit wichtiger denn je.
Die BVV würdigte den Verein als zentralen Akteur für politische Bildung im Bezirk. Ohne die Mietreduzierung stünde die Existenz des Regionalverbands in Treptow-Köpenick auf dem Spiel.
Mit der Entscheidung bekennt sich das Bezirksparlament nicht nur zur Geschichte, sondern auch zur Zukunft des Engagements. Philipp Wohlfeil fasste die Stimmung der Befürworter treffend zusammen: Dass sich die AfD derart am VVN-BdA abarbeite, sei eigentlich das beste Qualitätsmerkmal für dessen Arbeit. „Der BdA leistet einen guten Beitrag, sonst würden Sie sich hier nicht so aufführen“, konterte er in Richtung der AfD-Fraktion.
Am Ende blieb die erwartete knappe Mehrheit stabil. Treptow-Köpenick behält seine antifaschistische Anlaufstelle – und setzt damit ein deutliches Zeichen, dass demokratisches Engagement im Bezirk nicht an hohen Mieten scheitern darf.
Dieser Artikel stammt aus dem “Aus dem Rathaus” vom April 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

