Klaus Baltruschat ist tot – er wird uns fehlen

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Friedenskämpfer, Antifaschist und Genosse voller Tatendrang

Klaus Baltruschat, langjähriger Genosse im Bezirksverband Treptow-Köpenick und Mitglied der VVN/ BdA Köpenick, ist tot. Er verstarb kurz vor seinem 91. Geburtstag.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Klaus bekannt, als er im Februar 1997 Opfer eines brutalen Angriffs des Neonazis Kay Diesner in Marzahn-Hellersdorf wurde, dort betrieb er damals den Kleinen Buchladen. Der Angriff galt vermutlich dem damaligen Abgeordnetenbüro von Gregor Gysi, welches über dem Kleinen Buchladen lag. Der Angreifer schoss mit einer Schrotflinte auf die erste Person, die er für einen Linken hielt. Klaus überlebte schwerverletzt, sein linker Arm und ein Finger der rechten Hand mussten amputiert werden. Später sagte er dazu:

„Der Täter bekam lebenslänglich und ist wieder frei, doch ich habe lebenslänglich zu leiden.“ Dennoch blieb Klaus politisch engagiert: „Wenn man die Faschisten gewähren lässt, greifen sie zum Gewehr“, lautet seine auch heute noch hochaktuelle Botschaft.

Klaus blieb kämpferisch und er blieb lebensfroh. Er war Antifaschist und Friedenskämpfer, engagierte sich für Cuba Sí und war leidenschaftlicher Handballtrainer. Bis zuletzt trainierte er eine Mädchenmannschaft im Handball – mit 90 Jahren.

Klaus begleitete unzählige politische Veranstaltungen mit seiner Kamera – hinterher verschenkte er die Fotos an die Beteiligten. Er stellte sich immer wieder den Gesprächen mit jungen Antifaschist:innen. Mit fast 91 war er auch in diesem Jahr am 23. April, am 8. Mai, am 21. Juni und bei diversen antifaschistischen und Friedenskundgebungen mit dabei, gab Ideen, wie junge Menschen an Gedenken und Antifaschismus herangeführt werden können. Ihm war die Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart wichtig – politisch und akademisch: Nach dem Studium an der HU Berlin promovierte er zum Dr. der Geschichtswissenschaften.

Sein Kampf für eine bessere Welt begann früh. Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre war er in Siemensstadt, Westberlin, Mitglied einer sehr aktiven FDJ-Gruppe. Dort lernte er seine spätere Frau Käthe kennen, mit der er drei Kinder großzog und um die er sich liebevoll bis zu ihrem Tod kümmerte. Auch seine jetzige Freundin kannte er schon aus dieser Zeit.

In den 50er Jahren zog er nach Ostberlin, auch hier engagierte er sich weiterhin aktiv politisch und antifaschistisch. Das unterstrich auch sein beruflicher Lebensweg.

Seinen 90. Geburtstag feierte er letztes Jahr zur Cuba-Fiesta in der Parkaue, sein Geburtstagswunsch: Spenden für Cuba.

Klaus wird uns fehlen. Als kluger Kopf, als Genosse voller Tatendrang und als wunderbarer Mensch. Möge die Erde ihm leicht sein.


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Oktober 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

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