Treptow-Köpenick packt es an – Pflege neu und menschlich denken
Runder Tisch Pflege stärkt Netzwerke im Bezirk
Carolin Weingart, warum braucht es im Bezirk einen Runden Tisch Pflege?
Die Pflege ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Treptow-Köpenick sehen wir die Entwicklungen sehr deutlich: Schon heute sind fast 6 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger pflegebedürftig und der Anteil hochaltriger Menschen liegt mit 8,4 Prozent berlinweit fast an der Spitze. Das heißt: Wir müssen uns dringend damit befassen, wie wir eine gute Versorgung sicherstellen – und zwar gemeinsam mit allen Beteiligten.
Was bedeutet „gemeinsam“ konkret?
Am Runden Tisch sitzen viele unterschiedliche Akteure mit ihren unterschiedlichen Perspektiven: Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, Beratungsstellen, zivilgesellschaftliche Initiativen, Fachämter des Bezirks und natürlich auch pflegende Angehörige. Diese Vielfalt ist entscheidend, weil es nicht nur um medizinische oder pflegerische Fragen geht, sondern auch um Prävention von Pflege sowie Teilhabe, Entlastung und ein gutes Leben im Alter. 2024 haben wir gemeinsam die aktuelle Versorgungslage analysiert und zentrale Themen identifiziert. Jetzt geht es darum, daraus konkrete Schritte abzuleiten. In diesem Sinne bedeutet gemeinsam auch, zu identifizieren, wer an welchen Schritten mitwirken wird und welche Ressourcen für eine kooperative Umsetzung zur Verfügung stehen.
Welche Schwerpunkte setzen Sie für 2025?
Ganz oben steht die bessere Vernetzung im Bezirk. Wir wollen Strukturen und sinnvolle Abstimmungsprozesse schaffen, die langfristig tragen – etwa entlastende Angebote für pflegende Angehörige oder eine bessere Präsenz von Beratungs- und Informationsstellen in den Kiezen. Ebenso wichtig ist die Förderung zivilgesellschaftlicher Unterstützung. Viele Menschen engagieren sich schon heute ehrenamtlich oder nachbarschaftlich. Dieses Potenzial wollen wir stärken, damit wir eine echte Sorgekultur im Bezirk entwickeln.
Was heißt das für die Menschen, die jetzt schon auf Unterstützung angewiesen sind?
Für sie soll es ganz konkret spürbar werden: kurze Wege zur Beratung, mehr Angebote, die im Alltag helfen, und eine gute Abstimmung zwischen professioneller Pflege und informeller Unterstützung. Denn Pflege bedeutet nicht nur Versorgung, sondern auch Lebensqualität. Ich wünsche mir, dass ältere Menschen in Treptow-Köpenick möglichst lange selbstbestimmt leben können – und dass ihre Angehörigen nicht alleingelassen werden.
Wie geht es organisatorisch weiter?
In diesem Jahr haben wir zwei große Veranstaltungen geplant: Am 26. September treffen wir uns zur Werkstatt Pflege, am 14. November zur Evaluationswerkstatt. Dort wollen wir das Handlungskonzept für den Bezirk gemeinsam weiterentwickeln. Mir ist wichtig, dass das kein reines Verwaltungspapier bleibt, sondern Umsetzungspläne, die aus der Praxis heraus leben.
Und wie können sich Bürgerinnen und Bürger einbringen?
Sehr gerne! Wir suchen immer nach Ideen, nach Menschen, die ihre Erfahrungen teilen oder sich engagieren möchten. Wer Interesse hat, kann sich beim Bezirksamt oder beim Netzwerk Leben im Kiez melden. Pflege betrifft uns alle – früher oder später. Deshalb ist es so wertvoll, wenn viele mitgestalten.
Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Oktober 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

