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Jeder Tag ein neuer Wahnsinn - Marode Schulgebäude und überlastete Lehrkräfte

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Als Lehrerin kennt Eda Terkan den desolaten Zustand der ­Berliner Schulen

Eda Terkan, Kandidatin der Linke Treptow-Köpenick für Wahlkreis 6, über die Zustände an Berliner Schulen

Da ich an einer Förderschule arbeite, fehlt mir meist Zeit und Muße, das Stadtbild mit meiner Anwesenheit zu verschandeln. Gleichzeitig kann ich durch meine Tätigkeit Kinder, teils gar migrantische, von den Berliner Straßen fernhalten. Gern geschehen, Herr Merz.

Dass die Zukunft unseres Landes - irgendwer muss ja schließlich die Rente zahlen - stattdessen in maroden Schulgebäuden in zu großen Klassen mit zu wenig und entsprechend oftmals am Limit stehenden Lehrkräften sitzen muss, ist hingegen weniger erquicklich. Ebenso unerquicklich ist die Lage an unseren Schulen insgesamt. Jeder Tag ein neuer Kampf, jeder Tag ein neuer Wahnsinn. Nicht nur die Inhalte müssen gestaltet, nicht nur die regulären Schulzeiten abgedeckt werden. Korrekturen nach Feierabend, am Wochenende. Elterngespräche. Verwaltungstätigkeiten, Konferenzen, Krisengespräche. Belastende Familienverhältnisse der Schützlinge lässt zudem niemand einfach am Schultor zurück.

Lehrkräfte sind, ich spreche aus Erfahrung, einer permanenten Doppel-, Drei- und Vierfachbelastung ausgesetzt. Vom Lehrkräftemangel, den die Bildungssenatorin elegant beschönigt, brauche ich hier niemandem mehr zu erzählen, will aber an dieser Stelle doch darauf hinweisen, wozu der Dauerstress letztlich führt: 30% der Lehrkräfte leiden an Burn-out oder stehen kurz davor. Burn-out könnte man allein vom Zählen der Kolleg:innen mit Burn-out bekommen.

Eine Arbeitsbelastungsstudie unter Lehrenden an Berliner Schulen hat kürzlich ergeben: Nur sehr wenige würden sich erneut für den Lehrberuf entscheiden oder ihn weiterempfehlen, mehr als ein Drittel gar aktiv davon abraten. Das ist schade, haben doch die meisten von ihnen einst mit hehren Zielen begonnen. Ich denke, ich kann für die meisten meiner Kolleg:innen sprechen, wenn ich sage: Ich liebe meinen Job. So geht es aber verdammt noch mal nicht weiter. Statt Social-Media-Verbote verhängen zu wollen oder über mangelnde Sprachkenntnisse an sogenannten Problemschulen zu lamentieren, sollten ganz andere Probleme angegangen werden. Denn wo Lehrkräfte aus purer Überlastung kaum weiterwissen, bleiben unsere Kinder auf der Strecke.

Finden Sie irgendwie blöd? Dann eventuell lieber die Linke wählen.


Dieser Artikel stammt aus dem “blättchen” vom Juni 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

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