Altstadt Köpenick / Kietz
Schriftliche Anfrage VIII/0122
- Hat sich die soziale Lage der Anwohnerinnen und Anwohner im SR Altstadt Köpenick/Kiez in den letzten 2 Jahren verändert und, wenn ja, in welche Richtung?
- Ist der Sozialraum Altstadt Köpenick / Kiez ein besonders herausfordernder Sozialraum im Vergleich zu anderen Sozialräumen im Bezirk und an welcher Stelle im Sozialranking im Vergleich zu anderen Sozialräumen im Bezirk steht dieser SR aktuell?
- Welche Feststellungen trifft das Jugendamt zu Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen in diesem Sozialraum?
- Werden Auffälligkeiten festgestellt und, wenn ja, welche?
- Über welche soziale Infrastruktur (Projekte, Angebote) verfügt dieser Sozialraum aktuell?
- Welche sind (lt. Sozialraumorientierte Planungskoordination und Jugendhilfeplanung) zusätzlich erforderlich bzw. sollen / müssen verstärkt werden, um die Situation in diesem Sozialraum zu verbessern?
- Welche Erwartungen an die Jugendarbeit formuliert das Jugendamt aktuell an die Projekte bzw. Träger in diesem Sozialrau und werden Schwerpunkte gesetzt?
gestellt am 06.03.2017
von Karin Kant
Das Bezirksamt antwortet am 21.03.2017
Zu 1.:
Die sozialen Indikatoren der Jahre 2014, 2015 und 2016 für die Bezirksregion Altstadt/Kiez sind nachfolgend aufgelistet:
1 Die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird von der Bundesagentur für Arbeit erstellt und beruht auf den Meldungen der Arbeitgeber zur Kranken-, Renten-, Pflege- und/oder Arbeitslosenversicherung. Geringfügig Beschäftigte sind in der Statistik nicht enthalten. Nicht berücksichtigt werden außerdem Beamtinnen und Beamte, Selbständige und mithelfende Familienangehörige.
2 Der so berechnete Arbeitslosenanteil (Bezugsgröße: erwerbsfähige Einwohner/innen) ist nicht identisch mit der ,.Arbeitslosenquote" der Bundesagentur für Arbeit, die kleinräumig nicht zur Verfügung steht (Bezugsgröße hier: Erwerbspersonen).
Die Indikatoren zeigen eine positive Entwicklung in der Region auf. Lediglich der Indikator E7 zeigt eine sehr geringe Erhöhung der Altersarmut in der Bezirksregion Altstadt/Kiez. Da die absolute Anzahl an Personen, die von Altersarmut betroffen sind, lediglich bei 60 (31.15.2015) lag, ist die Gefährdung insbesondere in dieser Region derzeit nicht als signifikant anzusehen.
Zu 2.
Im Monitaring Soziale Stadt (MSS) 2015 (Datenstand 31.12.2014) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zeigt sich folgendes Bild innerhalb des Bezirkes Treptow-Köpenick: Von 32 zu betrachtenden Planungsräumen haben 8 Planungsräume einen hohen, 22 einen mittleren, 2 einen niedrigen sowie 1 einen sehr niedrig Statusindex.
Die Bezirksregion Altstadt/Kiez besteht aus nur einem Planungsraum.
Die Bezirksregion Altstadt/Kiez weist mit der Zuweisung zur Gruppe 2+ einen mittleren Statusindex (Status mittel, Dynamik positiv) auf. Die Zuordnung in ein konkretes Ranking ist seit dem MSS 2013 nicht mehr vorgesehen, es gibt lediglich die Gruppenzuweisungen.
Mit der Zuordnung der Region Altstadt/Kiez in die Gruppe der Planungsräume mit einem mittleren Statusindex liegt diese Region im Mittelfeld des Bezirksdurchschnitts und weist keine besonders herausfordernde Situation nach der Datenlage des Monitaring aus.
Der Statusindex für die Region Altstadt/Kiez ist zwischen den letzten beiden MSS gestiegen. Der Statusindex wird von der Gruppe 2+/- (Status mittel, Dynamik stabil, 2013) nun mit Gruppe 2+ (Status mittel, Dynamik positiv, 2015) bewertet.
Zu 3.
Trotz der vorhandenen Angebote in der Bezirksregion nehmen Problemlagen der Jugendlichen bzgl. Schuldistanz, Suchtmittelkonsum und Nichterreichbarkeil der Erziehungspersonen zu.
Vorhandene professionelle Unterstützung (Angebote der vorhandenen Standorte und direkte Hilfen zur Erziehung in den Familien kann dissozialen Entwicklungen nicht immer entgegen wirken.
Zu 4.
Der Anteil der alleinerziehenden Bedarfsgemeinschaften mit Kindern hat in den letzten Jahren zugenommen. Ebenso ist ein leichter Anstieg in den Hilfen zur Erziehung zu verzeichnen. Die Anzahl der vom Jugendamt installierten ambulanten und stationären Hilfen zur Erziehung lassen insgesamt auf einen normal belasteten Sozialraum schließen.
Das Wohngebiet Altstadt-Kiez hat den größten Anteil an Eingliederungshilfen gem. SGB XII für körperlich und geistig behinderte Kinder im Vergleich zu den anderen Bezirksregionen der Prognoseräume 4 und 5.
Durch die Jugendeinrichtung im Flußbad Gartenstraße wurde signalisiert, dass eine auffällige Gruppe Jugendlicher mit Mehrfachproblemen in der Bezirksregion schwer steuerbar sei. Die Familien dieser Jugendlichen sind im Jugendamt bekannt und erhalten zum Teil Unterstützung in der Erziehung und Förderung ihrer Kinder.
Die multiplen Problemlagen dieser Familien sind oft kurzfristig nicht lösbar. ln Trennungssituationen von Ellern fehlen meist finanzielle Möglichkeiten, um sich neuen/angemessenen Wohnraum anzumieten. Bei den sog. "Aufstockern", entstehen zusätzliche Arbeitszeiten und damit fehlt den Eltern oft die Zeit, sich um die Belange der Kinder/der Familie zu kümmern.
Mitteilungen zu häuslicher Gewalt und Meldungen im Krisendienst des Jugendamtes beziehen sich vorrangig auf den Bereich Müggelheimer Straße/Wendenschloßstraße.
Im Kontakt mit den Familien ist zu beobachten, dass sich die Ellern der von uns betreuten Familien im mittleren Alter zwischen 30 bis Mitte 40 Jahren bewegen und diese meist selbst Drogen konsumieren (Alkohol, Tabletten u.a.), um ihre Probleme zu deckeln und den Belastungen Stand zu halten.
Auffällig ist, dass diese Familien, bereits über viele Jahre und über mehrere Generationen dem Jugendamt bekannt sind. Trotz professioneller Hilfe und Unterstützung gelingt es
diesen Familien nicht, den vermutlich "gelernten" Problemkreislauf zu unterbrechen und ihre Situation zu verändern. Dies führt meist dazu, dass die Kinder sich den Anforderungen ihrer Eitern entziehen, selbst Drogen konsumieren und ihren Schulbesuch verweigern.
Kinder- und Jugendfreizeitangebote bzw. Familienprojekte in angrenzenden Bezirksregionen (z.B. in der BR 14: JFE ,,Würfel" und Bude; BR 13: Kiez Klub Köpenick} werden nicht in
Anspruch genommen. Sie liegen außerhalb der traditionellen/natürlichen Bewegungsbereiche (Bsp.: Müggelheimer Straße und Wendenschloßstraße sind absolute Grenzen.)
Insgesamt ist das Wohngebiet Altstadt/Kiez jedoch eine attraktive Wohnlage. Nach Aussage der SPK bestehen hier "langfristige Wohnsituationen mit sesshaften Bewohnern", die den Bereich ausmachen.
Zu 5.
ln der Bezirksregion stellt sich die Infrastruktur bezogen auf Angebote und Projekte für Kinder; Jugendliche und Familien wie folgt dar:
Jugendprojekte und Angebote für Kinder und Jugendliche:
- Flußbad Gartenstraße (Träger: Cöpenicker e.V.) - mit öffentlichem Badebetrieb, offene Jugendarbeit, Ferienangebote, Fahrten und Beratung
- Alte Möbelfabrik: freie Theatergruppen, theaterpädagogische Angebote und Workshops für Kinder und Jugendliche
- Windworker- Sport und Bewegung (überregional)
- Sambakids, Musik und Musikunterricht
- Hauptmannklub, temporäre Kinderdisco und Computerkurse für Kinder und Erwachsene, kulturelle Veranstaltung, barrierefrei
Jugendhilfeträger (HzE):
DASI, MSBW, Independent Living
Familienzentrum in der Rosenstr. 1 (Träger MSBW):
- Beratung für Eltern suchtmittelkonsumierender Kinder
- Eltern-Kind-Treff mit der Familienhebamme
- Spielkiste -für Familien mit Kinder von 2-4 Jahren; freies Spielen
- Sprechstunde Familienhebamme
- Brunch 4Teen Mums (für junge Muttis bis 19 Jahre mit und ohne Kinder)
- Flexibler Dienstag (fachspezifische Angebote für Ellern und Fachkräfte; Vorträge u.a. in Planung; auch erster Stammtisch für Eitern mit autistischen Kindern)
- Eltern-Kind-Kochkurs (kostenfrei) u.a. Angebote
Weitere:
- Ev. Kirchengemeinde/Kirchengemeindezentrum der ev. Kirche, Kirchstr.
- Eltern-Kind-Cafe in der Altstadt
- Hauptmann-Klub I Wendenschloßstraße
- Sportvereine: Familiensport im Kiez (mit Kindertanz u.a.), Sportverein Empor mit Sport
- für Groß und Klein
- Musikschule in der Freiheit 15
- Kulturangebot" Freiheit15" mit Restaurant und Garten
- Schloßplatztheater in der Altstadt
- Turnhalle mit Nutzungskonzept über Sportamt
Angebote der Jugendhilfeträger:
- 1x wö. Elternfrühstück der DASI im Katzengraben,
- 1x wö. MSBW Wegweiser Sozialberatung-Familienbüro mit Kinderbetreuung in der Alten Möbelfabrik- Karlstraße
Outdoor:
- Spielplätze: Spielplatz am Katzengraben, der Schattengarten, Spielplatz Gartenstraße, weitere Spielplätze in den Innenhöfen der Wohngebäude zwischen Wendenschlossstr.
- und Gartenstr.
- andere Freiflächen - Bolzplatz Luisenstraße
Alle Angebote sind öffentlich zugängig.
Zu 6.
ln der Ortsteilkonferenz Altstad/Kiez am 07.07.2016 wurden mit interessierten Bewohnerinnen und Bewohnern und Fachvertretern aus der Kinder- und Jugendbetreuung die Bedarfe für die Region ermittelt.
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Zu 7.
- Effektivere Nutzung vorhandener Ressourcen in der Bezirksregion Altstadt-Kiez (ggf. durch Weiterentwicklung vorhandener Konzepte)
- Unterstützung in den Angeboten niederschwelliger offener Jugendsozialarbeit (ggf. projektbezogene Angebote zur Suchtprävention, Möglichkeit der Turnhallennutzung usw.)
- Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit des Familienzentrums in vorhandenen Netzwerken (Zugang der Familien erleichtern und die Stärkung der erzieherischen Kompetenzen von Eltern frühzeitig unterstützen)
- Präventive Angebote zum Abbau gelernter Hilflosigkeit
Mit dem Träger Cöpenicker e. V. wurden bereits Gespräche geführt. Der Träger prüft derzeit, ob eine konzeptionelle Veränderung bzgl. projektbezogener Angebote am Standort Flußbad Gartenstraße realisierbar ist. In Planung ist ebenso ein Netzwerktreffen zur Bedarfsanalyse, zum Ressourcencheck und ggf. einer daraus resultierenden Projektentwicklung über FUA. Ziel des Netzwerkes ist aus Sicht des Jugendamtes die Bearbeitung der Fragestellung, wie im Wohngebiet Altstadt-Kiez einer dissozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen entgegengewirkt werden kann.




