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„Theater Ost“ Berlin-Adlershof will am 2. Mai Spielbetrieb starten

Kathrin Schülein, engagierte und kämpferische Leiterin des „Theaters Ost Berlin-Adlershof"

blättchen: Im September 2018 haben wir schon einmal ein Interview geführt, da ging es um die gerade eröffnete Spielzeit. Danach gab es eine gute Entwicklung des Theaters mit vielen Highlights, vielen Besucherinnen und Besuchern, vielen tollen Künstlerinnen und Künstlern. Kurz: Das Theater Adlershof wurde eine feste Adresse im kulturellen Angebot in Treptow-Köpenick und darüber hinaus. Bis uns im Frühjahr 2020 die Pandemie heimsuchte.

Kathrin Schülein: Ja, das war schon ein echter Tiefschlag. Aber so schnell lassen wir uns ja nicht unterkriegen. Da in geschlossenen Räumen keine Veranstaltungen mehr stattfinden durften, blieb eigentlich nur eine „Open-Air-Bespielung“. Wir haben mit großer Unterstützung von vielen Seiten eine 400 qm Fläche hinter dem Theater eingezäunt, eine große Bühne gebaut, ein Hygiene-Konzept entwickelt und konnten vor 120 Besucherinnen und Besuchern großartige Vorstellungen geben. Das war eine tolle Sache. Wir waren übrigens das erste Theater in Berlin und das einzige Theater in Treptow-Köpenick, das seinen Spielbetrieb in den Sommermonaten wieder aufgenommen hatte, solange es eben ging.

blättchen: Aber irgendwann spielte das Wetter dann nicht mehr mit…

Kathrin Schülein: Wenn man wirklich will und nach Lösungen sucht, findet man meistens welche. Unsere Lösung in diesem Falle war ein echtes Zirkuszelt. Leider konnten wir es nur einen Monat nutzen, weil die Corona-Regeln verschärft - und damit keinerlei Kulturveranstaltungen mehr zulässig waren.

blättchen: Trotzdem wurde unermüdlich gearbeitet. Die online-Petition „Kultur ins Grundgesetzt“ wurde gestartet, über neue Konzeptionen nachgedacht und vor Kurzem wurde dann die Neuigkeiten verkündet, dass aus „Theater Adlershof“ das „Theater Ost“ Berlin Adlershof geworden ist. Warum gerade jetzt, wo es doch in den Bereichen Kunst und Kultur und auch in Ihrem Theater viele andere Probleme zu bewältigen gibt?

Kathrin Schülein: Die Idee, den Namen zu ändern, entstand schon 2018, als ich mit meinem Kammerballettabend durch den Osten tourte und an mehreren Landestheatern zu Gast war. Wie mir dort berichtet wurde, verband zwar die ältere Generation den Namen Adlershof natürlich noch mit dem Standort des DDR-Fernsehens, junge Menschen konnten allerdings mit dem Begriff „Adlershof“ nicht mehr viel anfangen. Als Kunst- und Kulturschaffende haben wir auch einen Bildungsauftrag und müssen das Theater für jüngere Menschen wieder attraktiver machen.

Ein weiterer Grund, den Namen zu ändern, war die Tatsache, dass alles, was sich östlich der Oder befindet, zunehmend als Niemandsland oder gar als feindliches Gebiet betrachtet wird. Aus meiner künstlerischen Sicht ein fataler Fehler. Hier wollen wir mit unserer Arbeit gegensteuern. Unser Wissen, unsere Erfahrung hinsichtlich der Kultur dieser östlich von uns gelegenen Länder bietet dafür natürlich eine gute Grundlage. Die wollen wir nutzen und in unseren Spielplan einfließen lassen. Das schließt auch künftige Kooperationen zu anderen freien, beispielsweise russischen, Theatern ein.

So steht der Name THEATER OST Berlin-Adlershof für den Bezug des Theaters zur Geschichte des DDR-Fernsehens, für seine geografischen Verortung und seine spezielle inhaltliche Ausrichtung.

Inzwischen kürzen wir den Namen schon liebevoll ab in „TheO“.

blättchen: Kaum war diese Nachricht unter die Leute gekommen, gab es schon die nächste...

Kathrin Schülein: Es muss doch endlich wieder was passieren in Sachen Kunst und Kultur. Neben der Tourismusbranche ist die Kultur der Bereich, der seit über einem Jahr trotz ausgefeilter und überzeugender Hygienekonzepte nicht arbeiten darf. Es warten alle darauf, sowohl die Künstler und Künstlerinnen als auch die Zuschauerinnen und Zuschauer! Wir nehmen die Pandemie sehr ernst – dennoch wollen wir jetzt durchstarten. Unser wunderschönes Theaterzelt, das leider sechs Monate ungenutzt blieb, wird ab- und die Open Air Bühne aufgebaut.

Mutig und sehr optimistisch wollen wir am 2. Mai die Saison auf unserer Außenbühne beginnen – übrigens mit Hans-Eckardt Wenzel und seinem Programm „Halb und Halb“. Wir schließen einen Pakt mit dem Wettergott und erwarten Sie alle freudig, aufgeregt und mit eigener Teststation am Einlass. Für letzteres wurden unsere Kolleginnen ausgebildet, um unseren Gästen den Weg zu uns zu erleichtern und um uns alle zu schützen.

Weitere Termine stehen schon fest. Peu á peu ergänzen wir diesen mit weiteren spannenden Veranstaltungen. Es lohnt sich also ein Blick auf unsere Internetseite.

blättchen: Was soll man dazu noch sagen, außer: „toi, toi, toi!“

Edith Karge

Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom April 2021. Die Zeitungen der Bezirksvorstandes kann hier runtergeladen werden.

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