Aktuelle Situation im RSD (Regionaler Sozialer Dienst)
Schriftliche Anfrage
Drucksache Nr. IX/1195 vom 19.05.2026 der Bezirksverordneten Karin Kant – Die Linke.
Ich frage das Bezirksamt:
Wie bewertet das BA die aktuelle Situation im RSD im Jugendamt Treptow-Köpenick? Bitte einzeln ausführen für die einzelnen Prognoseräume sowie Kinderschutzteam.
Wie viel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell bzw. waren zu den Stichtagen 01.01.2022, 01.01.2023, 01.01.2024, 01.01.2025, 01.01.2026 im RSD, je Prognoseraum, beschäftigt,
a) insgesamt, in Gegenüberstellung des jeweiligen Soll/ Prognoseraum (Region)?
b) als ausgebildete pädagogische Fachkräfte?
c) als dual Studierende?
d) als Teilzeitbeschäftigte?
e) in den ersten sechs Monaten?
f) länger als sechs Monate?
g) länger als zwei Jahre?
h) länger als fünf Jahre?
Bitte aufschlüsseln nach Prognoseräumen sowie Kinderschutzteam und unter Angaben entsprechender VZÄ.
3. Wie ist der Anteil der besetzten Stellen gemessen am Stellenplan? Bitte aufschlüsseln nach VZÄ sowie den Prognoseräumen und Kinderschutzteam aktuell bzw. zu den Stichtagen, 01.01.2022, 01.01.2023, 01.01.2024, 01.01.2025, 01.01.2026.
4. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell nicht im Dienst oder nur eingeschränkt belastbar,
a) insgesamt?
b) wegen Elternzeit und/oder Mutterschutz?
c) wegen Krankheit länger als 4 Wochen?
d) wegen Wiedereingliederung wie z.B. Hamburger Modell?
Bitte aufschlüsseln nach den Prognoseräumen sowie Kinderschutzteam und unter Angaben entsprechender VZÄ.
5. Wie viele Fälle werden aktuell insgesamt betreut? Bitte aufschlüsseln in HZE, Beratungsfälle, Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren, Kinderschutzverfahren, sonstige sowie nach Prognoseräumen und Kinderschutzteam.
6. Welche internen Regelungen existieren im Jugendamt bzgl. Fallzahlobergrenzen (oder Vergleichbares) im RSD auch in Bezug auf unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und unter Berücksichtigung von Berufserfahrung?
7. Werden Teilzeitbeschäftigung und Belastung durch Einarbeitung und Betreuung dualer Studierender bei der Zumessung der zu bearbeitenden Fälle berücksichtigt und, wenn ja, wie, wenn nein, warum nicht?
8. Welche Steuerungsmöglichkeiten wurden im Jugendamt ergriffen, um ggf. vorhandene Überlastung, Unterbesetzung o.Ä. abzumildern, welche Erfahrungen wurden daraus gewonnen und wie wurden die Maßnahmen von den Beschäftigten bewertet? Wurden diesbezüglich bspw. Beschäftigte innerhalb des RSD umgesetzt zwischen einzelnen Teams oder Prognoseräumen?
9. Wieviel Zeit steht einer Vollzeitbeschäftigten monatlich für die Fallbearbeitung zur Verfügung? Wie bemisst sich diese Berechnung?
10. Wie viele Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten 5 Jahren den RSD verlassen?
a) Wie lange waren die Kolleginnen und Kollegen zuvor im RSD beschäftigt?
b) Wie viele Kolleginnen und Kollegen wurden im gleichen Zeitraum neu eingestellt?
Bitte aufschlüsseln nach Kalenderjahren und VZÄ sowie Prognoseräumen und Kinderschutzteam.
c) Welche Kenntnisse hat das Jugendamt über die Ursachen des Weggangs von Kolleginnen und Kollegen insbesondere bei nur kurzen bzw. kürzeren Beschäftigungszeiträumen,
d) wie wurden diese Erkenntnisse genutzt?
e) konnten Kolleginnen und Kollegen von einem geplanten Weggang abgehalten werden und, wenn ja, wie?
11. Wie viele Überlastungsanzeigen aus dem RSD liegen aktuell vor? Wie wird mit den Überlastungsanzeigen verfahren? Bitte aufschlüsseln nach den Prognoseräumen und Kinderschutzteam.
12. Liegen Überlastungsanzeigen ganzer Fachbereiche, Teams oder Prognoseräume vor und, wenn ja, wie wird mit diesen umgegangen?
13. Welche Rückmeldungen werden der zuständigen Senatsverwaltung bzgl. der Situation im RSD übermittelt?
Hierzu antwortet das Bezirksamt Treptow-Köpenick:
Zu 1.
Die Situation im RSD und im Kinderschutzteam ist aktuell sehr angespannt und zeichnet sich durch eine sehr hohe Arbeitsbelastung und Überlastung aus. Die Situation im RSD - und dadurch auch im Krisendienst Kinderschutz - ist erschwert durch Personalausfälle wegen Krankheit und Mutterschutz/ Elternzeit. Die befristete Nachbesetzung gelingt nur zeitverzögert, wenn überhaupt. Außerdem benötigt die Einarbeitung in die komplexen Aufgabengebiete des RSD Zeit, so dass neue Mitarbeitende erst nach einer Einarbeitungszeit eigene Aufgabengebiete übernehmen können. Dies hat zur Folge, dass die Aufgaben verteilt und zusätzlich vertreten werden müssen. Da die Aufgaben nicht reduziert werden können, bedeutet dies eine sehr hohe Arbeitsbelastung der anwesenden Mitarbeitenden.
Zu 2. und 3.
Siehe Anlage.
Zu 4.
| (Stand 01.01.2026) | RSD 1/3 | RSD 2 | RSD 4/5 | Kinderschutz- team |
| 4 a) insgesamt? | 1 | 2 | 3 | 0 |
| 4 b) wegen Elternzeit und/oder Mutterschutz? | 1 | 1 | 1 | 0 |
| 4 c) wegen Krankheit länger als 4 Wochen? | 0 | 1 | 1 | 0 |
| 4 d) wegen Wiedereingliederung wie z.B. Hamburger Modell? | 0 | 0 | 1 | 0 |
Zu 5.
Die Beantwortung der Frage zu den aktuell insgesamt im Jugendamt betreuten Fällen und eine Aufschlüsselung der Beratungsfälle ist in der kurzen Frist der Anfrage unter Nutzung der Daten der Datenbank SoPart nicht möglich. Die Ermittlung dieser Zahlen bedarf einer Fallzählung in den Arbeitsbereichen und stellt einen erheblichen Mehraufwand für die Mitarbeitenden dar, der aufgrund der aktuellen Belastungssituation nicht zumutbar ist.
Eine Darstellung der tatsächlich laufenden Fallbestände ist für den Bereich der Hilfen zur Erziehung (HzE) - Auswertungszeitraum Mai 2026 und für das Jahr 2026 - hinsichtlich der neu eröffneten Verfahren im Familiengericht, Hilfeplanung für HzE und Kinderschutz möglich.
| Bereich | Lfd. HzE Mai 2026 | Verfahren HzE neu 2026 | Verfahren FamG neu 2026 | Verfahren Kinderschutz neu 2026 |
| Region 1/3 | 514 | 320 | 262 | 226 |
| Region 2 | 522 | 302 | 170 | 188 |
| Region 4/5 | 423 | 272 | 179 | 135 |
| Pflegekinderdienst | 116 | 8 | 5 | 3 |
| Unbegleitete mdj. Ausländer (UmA) | 201 | 56 | 28 | 2 |
| Gesamt | 1.776 | 958 | 644 | 554 |
Für das Kinderschutzteam können keine separaten Zahlen ausgewiesen werden. Die dort bearbeiteten Fälle werden nach der Meldungsprüfung aus dem Tagesdienst Kinderschutz temporär durch das Kinderschutzteam übernommen, die Fallführung und Zuständigkeit verbleibt weiterhin bei der jeweiligen Fachkraft im RSD.
Zu 6. und 7.
Es existieren keine internen Regelungen im Jugendamt, das Jugendamt orientiert sich an den berlinweit vorgegebenen Werten für den RSD und berücksichtigt diese bei der Fallverteilung in den jeweiligen Prognoseräumen. Teilzeitbeschäftigung wird im Rahmen der Möglichkeiten bei der Verteilung der Fallzuständigkeit berücksichtigt, so dass die Mitarbeitenden anteilig weniger Fälle bearbeiten. Die Fallverteilung wird in den Organisationseinheiten regelmäßig überprüft und nachjustiert. Mitarbeitende, die eingearbeitet werden, erhalten erst nach erfolgter Einarbeitung die volle Fallverantwortung.
Zu 8.
Vakante Stellen werden schnellstmöglich ausgeschrieben und nachbesetzt. Auch für Elternzeiten und längere Krankheitsvertretungen werden Stellen ausgeschrieben, befristete Besetzungen sind jedoch sehr schwer zu realisieren.
Bei individuellen Überlastungsanzeigen werden die Fallbelastung und weitere Faktoren geprüft und im Rahmen der Möglichkeiten Entlastungsmaßnahmen realisiert. In Situationen mit vielen Krankheits- und anderen Ausfällen von Personal sind die Steuerungsmöglichkeiten sehr begrenzt, da es nicht möglich ist, die Fälle nicht mehr zu bearbeiten.
Wenn es erforderlich ist, werden Notmaßnahmen ergriffen, hierzu gehören u.a. temporäre Schließzeiten, die Information der Bürger/innen, dass Anliegen nur verzögert bearbeitet werden können, eingeschränkte Wahrnehmung von Aufgaben, Reduktion der Teilnahme an Gremien etc.
Es wurden bisher keine Mitarbeitenden umgesetzt, jedoch z. T. einzelne Fälle in anderen Bereichen bearbeitet.
Wünschenswert wäre die Möglichkeit, zusätzliche Stellen besetzen zu können, die bereits eingearbeitet sind, und Personalausfälle flexibel zu kompensieren. Dies ist jedoch aufgrund fehlender Personalmittel nicht möglich.
Es wurden zusätzliche Stellen im mobilen RSD geschaffen. Da dieser Bereich jedoch auch von Personalausfällen betroffen ist, hat diese Maßnahme bisher nur sehr eingeschränkt zu Entlastungen im RSD geführt.
Zu 9.
Hierzu gibt es keine Erhebungen. Die Mitarbeitenden im RSD verwenden den Großteil Ihrer Arbeitszeit für die Fallbearbeitung.
Zu 10.
17 Mitarbeitende haben in den letzten 5 Jahren den RSD/ Kinderschutzteam verlassen, wobei 9 Mitarbeitende in einen anderen Bereich des Jugendamtes umgesetzt wurden (1 VZÄ im Kinderschutzteam).
a) Die ausgeschiedenen Kolleg/innen waren zuvor etwa zwei bis fünf Jahre im RSD beschäftigt.
b) Insgesamt 26 VZÄ.
| Zugänge in VZÄ | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
| RSD 1/3 | 2 | 5 | 2 | 0 |
| RSD 2 | 2 | 4 | 3 | 3 |
| RSD 4/5 | 1 | 0 | 3 | 0 |
| Kinderschutzteam | 0 | 0 | 1 | 0 |
c) Hauptursachen in den letzten 5 Jahren waren die Umsetzungen in andere Bereiche des Jugendamtes und der Wunsch der Beschäftigten nach anderen Tätigkeiten oder persönliche Gründe, danach folgten Versetzungen und die Renteneintritte. Kürzere Beschäftigungszeiträume gab es nicht.
d) Bei freien Stellen in anderen Bereichen mit derselben Entgeltgruppe erfolgen interne Interessensabfragen und im Ergebnis wertgleiche Umsetzungen, um Mitarbeitenden Veränderungen zu ermöglichen und sie im Jugendamt zu halten.
e) Nein bzw. s.d.
Zu 11. und 12.
Es liegen aktuell Überlastungsanzeigen der Teams aller 3 Organisationseinheiten im RSD vor (Prognoseraum 4/5, Prognoseraum 2, Prognoseraum 1/3) sowie der Regionalleitungen und der Fachdienstleitung. Darüber hinaus haben einzelne Mitarbeitenden zusätzliche individuelle Überlastungsanzeigen gestellt.
Es haben Gespräche des Stadtrats und der Jugendamtsleitung mit den jeweiligen Teams bzw. Leitungen stattgefunden. Es wurden temporäre Notmaßnahmen vereinbart.
Zu 13.
Die Senatsverwaltung wurde über Notmaßnahmen im RSD informiert.

