Nahversorgung in der Köllnischen Vorstadt und Spindlersfeld
Schriftliche Anfrage
Drucksache Nr. IX/1145 vom 03.02.2026 des Bezirksverordneten Uwe Doering – Die Linke.
Im Zentren- und Einzelhandelskonzept 2024 wird der Prognoseraum II, Bezirksregion 08 Köllnische Vorstadt/Spindlersfeld mit der geringsten Verkaufsfläche pro Einwohnende und hinsichtlich der Nahversorgung mit der zweitgeringsten Verkaufsfläche pro Einwohnende im Bezirk festgehalten.
Ich frage das Bezirksamt:
1. Was unternimmt das Bezirksamt, um die Verkaufsflächen in dieser Bezirksregion zu erhöhen, insbesondere um die kritische Nahversorgung zu verbessern?
2. Wie prognostiziert das Bezirksamt die künftige Nahversorgung in der Region angesichts der vielen neuen Einwohnenden z.B. Wasserstadt Spindlersfeld, Nachverdichtungen?
3. Welche Möglichkeiten sieht das Bezirksamt, die Nahversorgung in der Region zu verbessern und zu diversifizieren, etwa durch Anwerbung von Ansiedlungen, Absprachen zur Vergrößerung bestehender Nahversorger, Vereinbarung in Bebauungsplänen und ähnliches?
Hierzu antwortet das Bezirksamt Treptow-Köpenick:
Zu 1.
Zielsetzung des Bezirkes ist nicht zwingend eine Erhöhung der Verkaufsflächen bzw. Angleichung an die durchschnittliche Verkaufsflächenausstattung, sondern die Sicherung der Funktionsfähigkeit der zentralen Versorgungsbereiche sowie einer möglichst fußläufig erreichbaren Grundversorgung.
Aufgrund der räumlichen Lage und Struktur liegt in Spindlersfeld bzw. der Köllnischen Vorstadt der Fokus auf der Nahversorgung, da zentrenrelevante Angebote aufgrund der allgemeinen Trends im Einzelhandel v.a. in den zentralen Versorgungsbereichen tragfähig sind (z. B. höhere Frequenz,
Agglomeration).
Trotz der relativ geringen Verkaufsfläche ist durch die vorhandenen drei Magnetbetriebe des Lebensmitteleinzelhandels die fußläufige Erreichbarkeit (500-700 m) in dieser Bezirksregion weitgehend gesichert. Lediglich im nördlichen Bereich um die Wasserstadt Spindlersfeld sind hier weitere Wege in Kauf zu nehmen.
Einer Steuerung hier seitens des Bezirks sind jedoch Grenzen gesetzt, da die Umsetzung neuer Nahversorgungsangebote maßgeblich vom Handeln privatwirtschaftlicher Akteurinnen und Akteure mit eigenen Standortplanungen und wirtschaftlichen Überlegungen abhängt, die nur bedingt beinflussbar sind. Dazu gehören in der Regel neben der Wirtschaftlichkeit v. a. eine gute verkehrliche Erreichbarkeit v. a. von einer Hauptstraße bzw. ein entsprechendes Einzugsgebiet. Diese Faktoren sind nicht überall in der Bezirksregion und insbesondere nicht im nördlichen Bereich von Spindlersfeld gegeben, so dass betreiberseitig bisher kein Interesse an neuen Standorten bzw. der Nutzung der Möglichkeiten (z. B. als Unterlagerung) bestand.
Jedoch befördert der Bezirk hier die Ansiedlung gerade kleinteiliger Angebote (z. B. Bäckerei mit angeschlossenem Spätkauf in der Carl-Spindler-Straße). Jedoch unterliegen auch diese Ansiedlungen grundsätzlich unternehmerischen Entscheidungen.
Optionen ergeben sich grundsätzlich über Bestandserweiterungen der Lebensmittelanbietenden, die im Rahmen der planungsrechtlichen Möglichkeiten am jeweiligen Standort auch seitens des Bezirks unterstützt werden. In der Vergangenheit hat es auch schon Abstimmungen zu Standorterweiterungen
z. B. an der Oberspreestraße (Rewe) gegeben.
Das bezirkliche Zentren- und Einzelhandelskonzept bietet hier im Allgemeinen eine entsprechende Orientierung auch für Anbieter/innen (z. B. Entwicklungsoptionen, Prüfschema), was durchaus genutzt wird.
Weiter agiert die Wirtschaftsförderung in enger Abstimmung mit dem Stadtentwicklungsamt, um die kritische Nahversorgung zu verbessern. Dabei wurden auch für den o. g. Prognoseraum potenziell verfügbare Flächen gemeinschaftlich identifiziert, welche für Einzelhandel (insbesondere Lebensmittelvollsortimenter und Discounter) infrage kommen könnten.
Auch steht die Wirtschaftsförderung mit Eigentümer/innen bestehender Gewerbeimmobilien im Dialog, um Modernisierungen oder Erweiterungen zu begleiten und Hinweise für mögliche Nahversorgungsnutzung zu geben. Bei Neubauprojekten drängt die Wirtschaftsförderung darauf, dass gerade Erdgeschossflächen kleinteiligem Gewerbe und Nahversorgungsangeboten vorbehalten bleiben, um die Wege für die Anwohnenden kurz zu halten.
Zu 2.
Der erwartete Bevölkerungszuwachs in der Bezirksregion bis zum Jahr 2030 von rd. 20 % wird das mögliche Zuwachspotenzial bei der Nahversorgung nochmals erhöhen. Das bietet gerade für die vorhandenen Einzelhandels-Standorte die Möglichkeit der Qualifizierung ihres Angebotes sowie ermöglicht ggf. auch kleineren Angeboten die nötige Wirtschaftlichkeit, um eine Ansiedlung zu erwägen. Dabei ist zu erwarten, dass sich aus Sicht der Unternehmen aufgrund des höheren Kundenpotenzials und der höheren Kaufkraft auch die wirtschaftliche Attraktivität für den Standort erhöht.
Im Hinblick auf die bestehende Baustruktur werden jedoch ergänzende Angebote/ Standorte im Wohngebietskontext nur bedingt Raum finden. Zudem bleibt hier aufgrund der Betriebsanforderungen der Handelsketten und dem durch den Zuwachs zu erwartenden Kaufkraftpotenzial das verfügbare Verkaufsflächenpotenzial gering – ggf. eine Möglichkeit für alternative Nahversorgungsstrukturen.
Zu 3.
Die Möglichkeiten des Bezirks sind hier begrenzt, wenn auch nicht gänzlich unwirksam. Wie bereits benannt, werden Standorterweiterungen bereits im Zentren- und Einzelhandelskonzept als Maßnahme zur Sicherung und Aufwertung der Nahversorgung ausdrücklich benannt. Dies wurde auch in den Abstimmungen mit den Anbieter/innen entsprechend vermittelt und diesbezügliche Anträge umfassend begleitet.
Im Rahmen von Bauanträgen wird zudem an geeigneten Standorten auf die Möglichkeit der Unterlagerung durch gewerbliche Nutzungen (Handel/ Gastronomie u. ä.) hingewiesen, um eine Belebung zu ermöglichen.
Die Option im Zusammenhang mit der Umsetzung neuer Wohnbauquartiere über Planungsrecht besteht in Abhängigkeit der dort zu erwartenden Bevölkerung, jedoch auch hier sind Lage und Struktur auschlaggebend - dies wird andernorts auch genutzt. In der Bezirksregion selbst bestehen hierfür keine Potenziale.

