Projekt enthüllt vergessene Geschichte - Audio-Rundgang zur NS-Zwangsarbeit in Adlershof
Bild: Eine Station des Audiorundgangs ist das Restaurant Ratskeller in Adlershof, das von 1940–1945 Lager für Zwangsarbeitende war. Das Foto stammt aus dem Jahr 1938
In einer Initiative, die auf einen Antrag der Fraktion DIE LINKE zurückgeht, haben die Museen Treptow-Köpenick gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, dem Aktiven Zentrum Adlershof und der Wohnungsbaugenossenschaft Treptow Süd eG das Projekt „Audiorundgang zu NS-Zwangsarbeit in Adlershof“ ins Leben gerufen.
Durch eine gründliche Prüfung seitens des Museums wurde festgestellt, dass das Thema NS-Zwangsarbeit eine enorme Bedeutung für den ehemaligen Industriestandort Adlershof hat. Unter den geschätzten 3.000 Berliner Lagern und Sammelunterkünften für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befanden sich mindestens 16 Lager in Adlershof. Bedeutende Unternehmen wie die AEG, Mannesmann und die Deutsche Reichsbahn beschäftigten hier Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und profitierten von deren Ausbeutung und Gewalt. Um diese untrennbaren Verbindungen darzustellen, hat das Museum einen faszinierenden Audiorundgang entwickelt, bestehend aus neun Stationen, die über eine browserbasierte App zugänglich sind. Der Rundgang präsentiert nicht nur die Geschichte mehrerer Lagerstandorte, sondern bietet auch stadträumliche Hintergrundinformationen. Durch dieses Projekt wird das Thema NS-Zwangsarbeit, das in der heutigen Zeit kaum noch präsent ist, im öffentlichen Raum vermittelt und erlebbar gemacht.
Der Audiorundgang ist benutzerfreundlich und weitgehend barrierefrei gestaltet. An jeder der neun Gedenktafeln kann der Rundgang über einen QR-Code gestartet werden, der insgesamt 14 Audio-Stationen zu historischen Orten der Zwangsarbeit enthält. Die Hörangebote sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar, während Empfehlungen auf den Tafeln und in den Audiodateien dabei helfen, sich im öffentlichen Raum zu orientieren. Zusätzlich sind die Informationstafeln mit Braille-Hinweisen ausgestattet und die App wurde auf die Auslesefunktion von Screenreadern für blinde und seheingeschränkte Personen ausgerichtet.
Die Realisierung dieses aufwändigen Projekts wurde durch Fördermittel in Höhe von 23.700,00 Euro aus dem Förderfonds für erinnerungskulturelle Projekte der Senatsverwaltung für Kultur und Europa ermöglicht, wofür die Museen Treptow-Köpenick großzügige Unterstützung erhielten.
Die erste Station des Audiorundgangs befindet sich an der Dörpfeldstraße Ecke Adlergestell. Der Rundgang dauert etwa 90 Minuten.
Der Audioguide kann aber auch online angehört werden:
https://gleft.de/5gG
Dieser Artikel erschien zuerst in Aus dem Rathaus vom 04.07.2023
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